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Monday, 29. June 2015

Geistliche Fahrt nach Taizé

Geistliche Fahrt nach Taizé

Wachsender Beliebtheit erfreut sich die inzwischen traditionelle jährliche Fahrt der LFS nach Taizé in Burgund (Frankreich). Für eine Woche nehmen bis zu 80 Schülerinnen der Stufen 10, 11 und 12 kurz vor den Sommerferien am internationalen Jugendtreffen und am Leben der Communauté von Taizé teil.

Den Brüdern von Taizé liegen von Anfang an zwei Dinge am Herzen: in Gemeinschaft mit Gott und untereinander zu leben und diese zweidimensionale Gemeinschaft durch das persönliche wie gemeinschaftliche Gebet zu vertiefen. Die Brüder wünschen sich, dass alle in Taizé – gleich welcher Religion, Hautfarbe oder Rasse – einander mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung begegnen und sich aktiv am gemeinsamen Leben vor Ort beteiligen.
So gehören nicht nur die drei Gebetszeiten morgens, mittags und abends sowie die täglichen Bibeleinführungen und Gespräche in Kleingruppen zum obligatorischen Programm, sondern auch die praktischen Arbeiten wie Kochen, Spülen, Reinigen der sanitären Anlagen, Entsorgen von Müll und Übernahme von Diensten im Kiosk.

Taizé lebt davon, dass die Jugendlichen – in Spitzenzeiten bis zu 3000 an der Zahl – sich selbst organisieren, dabei aufeinander hören, voneinander lernen und miteinander etwas zustande bringen.
Dies fördert den interkulturellen, ökumenischen und interreligiösen Dialog, öffnet den Sinn für die religiöse Dimension menschlichen Lebens, vertieft den christlichen Glauben und macht deutlich, wie Menschen im Geiste Jesu voneinander lernen, miteinander glauben sowie gemeinsam Freude am Leben entwickeln können.


 

Taizé 2015

Ein Bericht von Rebecca Kobert, Stufe 11

Vielleicht ist es schon der ein oder anderen von Euch aufgefallen: Viele Schülerinnen der Stufe 10 und 11 tragen jetzt einen geschwungenen Kreuzanhänger – oder handelt es sich doch um das Symbol der Friedenstaube? Wollt ihr wissen, was sich hinter diesem Zeichen verbirgt und warum es für eine ganze Woche so leer auf der Oberstufenterrasse war?

Am Sonntag, den 14. Juni 2015 begaben sich rund 50 Schülerinnen der Stufen 10 und 11, begleitet durch unseren Schulpfarrer, Herrn Schultheis, sowie die Lehrerinnen Frau Kiggen-Freidel, Frau Rüter und Frau Thiet, auf eine Geistliche Fahrt nach Taizé, einem kleinen Ort im Herzen vom Südburgund in Frankreich. Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts haben hier die Ordensbrüder der Communauté einen Begegnungsort für bis zu 5000 Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen geschaffen. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine multikulturelle Partymeile, nein im Gegenteil, es ist ein Ort der inneren Suche, ein Ort der Stille und des Friedens. Ziel der ca. 100 gastgebenden Brüder ist neben der Erfahrung von Spiritualität die gegenseitige Begegnung in Achtung, Toleranz und Respekt.

Die Unterbringung der Jugendlichen erfolgt in einfachen Baracken und Zelten. Jeder Einzelne ist gefordert am Gelingen des Aufenthaltes beizutragen; Putzen, Kochen, Spülen, Mithilfe bei der Gartenarbeit, Empfang neuer Besucher, Verkauf im Taizé-Shop bzw. im OYAK (dem abendlichen Treffpunkt) liegen in den Händen der Besucher. Der Tages- bzw. Wochenablauf ist bestimmt durch feste Gebets- und Essenszeiten sowie Gesprächs- und Organisationskreise.

Vielleicht ist es die Eingebundenheit in diesen Rhythmus, dass bald dieses besondere „Taizé-Feeling“ bei den Neuankömmlingen einsetzt. Die Abgeschiedenheit in der ländlichen Umgebung, der simple Lebensstil, die täglichen Pflichten, der Verzicht auf elektronische Medien, die tiefgründigen Gespräche: Taizé wird zur schützenden – manchmal auch zur einengenden - Seifenblase. Damit ist der Grundstein für eine Reise zu sich selbst gelegt. Sorgen, Ängste, Zweifel, Probleme kommen irgendwann hoch, zwangsläufig beginnen die Teilnehmer (einzeln oder gemeinsam) sich damit auseinanderzusetzten und im besten Fall zu verarbeiten oder zumindest Lösungsansätze zu finden.

Die diesjährige Taizé-Fahrt war von der Bildung eines starken Gemeinschaftssinnes, das auch die LehrerInnen mit einbezog, geprägt. Viele von uns wandten sich Mitschülerinnen zu, mit denen sie zuvor kaum oder gar nicht geredet hatten. Am Ende betrachtete man sich mit ganz anderen Augen.

Hilfreich beim Reflektieren, Verarbeiten, ja sogar Trauern waren der sehr großzügig angelegte „Garten der Stille“ (eine Oase, in der geschwiegen wird) sowie die regelmäßigen gemeinsamen geistlichen Zusammenkünfte, die aus Gebeten, Lesungen, Psalmen, meditativen Gesängen und einer mehrminütiger Stille bestanden. Wenn plötzlich über 1000 junge Menschen gemeinsam ruhig werden, ganz bei sich selbst sind und dazu bereit sind, dann entdeckt man den Zauber von Taizé.

Neben dieser Reise zu sich selbst gab es aber auch die Möglichkeit den Blick nach außen zu richten, denn Taizé ist auch ein Ort der Begegnung mit Gleichaltrigen aus der ganzen Welt. Wer mochte, konnte Menschen aus allen Erdteilen dieser Welt kennenlernen, Einblicke in ihre Kultur bekommen und mit ihnen über Gott und die Welt diskutieren.

In den international zusammengesetzten Bibelgruppen beschäftigten sich max. 12 Teilnehmer nach einer Bibeleinführung durch einen Bruder des Taizé-Ordens mit einem realitätsnahen Bibeltext. Spiele brachen in kurzer Zeit das Eis unter den Jugendlichen, lösten Sprachbarrieren und bildeten eine Basis des gegenseitigen Vertrauens.

Die Abende in Taizé boten eine bunte Mischung aus Einzel- bzw. Gemeinschaftsaktivitäten. Wer es ruhig mochte, konnte nach dem Abendgebet noch eine Weile in der Kirche bleiben, freitags bestand die Möglichkeit eines persönlichen Gebetes vor dem Kreuz („Kreuzesanbetung“), wem der Sinn nach Spielen, Singen und/oder internationalen Kontakten war, der ging zum Jugendtreff ins OYAK.

Ich persönlich war nun das zweite Mal in Taizé und stellte fest, dass mich dieser Ort sowohl zum Lachen als auch zum Weinen bringen kann. Ich komme in meiner Persönlichkeit gestärkt nach Hause, die Reise zu mir selbst, die Erfahrungen der Spiritualität öffnen die Augen und weiten das Herz in der sonst so stressigen Schulzeit.