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Sunday, 16. July 2017

Festkonzert zum 100-jährigen Schuljubiläum

Die Zuhörer in der gut besuchten Kirche konnten sich nach einführenden Worten des Schulpfarrers zunächst von der Qualität des Mädchenchores überzeugen, verstärkt durch die Damen des Schüler-Eltern-Lehrer-Chores. Gabriel Fauré hat zusammen mit seinem Schüler André Messager im Sommer 1881 die „Messe des Pecheurs de Villerville“ komponiert. Anlass war ein Benefizkonzert zu Gunsten des Wohltätigkeitsvereins der ortsansässigen Fischer. Neben den Damen des Ortes konnte man in jenem Sommer viele junge Mädchen für dieses Chorprojekt gewinnen, die in Villerville zur Sommerfrische weilten. Messager vertonte das „Kyrie“ und „O Salutaris“, alle anderen Messsätze stammen aus der Feder von Fauré. Die Tonsprache ist jedoch sehr einheitlich gehalten und zeichnet sich durch eingängige Kantilenen und fast kammermusikalisch geführte Orchesterstimmen aus. Chor und Orchester ergaben ein stimmiges Klangbild, ausgewogen und dynamisch differenziert.

Zum zweiten Werk des Konzertes kamen die Herren des Chores hinzu sowie instrumentale Verstärkung im Orchester. Zu Gehör kam das Oratorium zum Himmelfahrtstag von Johann Sebastian Bach: „Lobet Gott in seinen Reichen“. Nur wenige Monate nach seinem Weihnachtsoratorium entstanden und am Himmelfahrtstag 1735 in Leipzig zum ersten Mal erklungen, erinnert es sehr an das bekannte Vorgängerwerk. Die Aufführungsdauer ist allerdings deutlich kürzer, neben zwei Arien sind es vor allem die auf Bibelstellen basierenden Rezitative, die das Werk zu einem Oratorium werden lassen. Gleich zu Beginn entfaltet Bach eine musikalische Klangpracht im Chor und Orchester, die den Vergleich mit dem Eingangschor des Weihnachtsoratoriums nicht zu scheuen braucht. „Mit Pauken und Trompeten“ und bewegten Figurationen im Rest des Orchesters wird die Musik dem hohen kirchlichen Feiertag gerecht. Dazu zeigte sich der nun komplette Eltern-Schüler-Lehrer-Chor stimmlich sicher, mit sehr guter Intonation und stets präsent. Die erzählenden Teile der Himmelfahrtsgeschichte wurden von den Solisten Thomas Klose und Joel Urch in bekannt versierter und zuverlässiger Art übernommen.

Sabrina Stelter, Abiturientin der Liebfrauenschule, und Christine Heßeler, die nach ihrem Abitur an der Liebfrauenschule ein künstlerisches Studium im Fach Gesang an der Kölner Musikhochschule absolviert, waren die Gesangssolistinnen der beiden Arien. Beide haben ihre erste stimmliche Ausbildung in der Musikschule der Liebfrauenschule begonnen. „Ach bleibe doch, mein liebstes Leben“, die Arie, in der die Schmerzen über den Weggang Jesu besungen werden, mit nur Violinen und Continuo begleitet, wurde von Sabrina Stelter mit großer Ruhe und bereits sehr volltöniger und warmer Altstimme vorgetragen. Es gelang ihr, die schmerzvolle Stimmung über die ganze Arie hinweg beizubehalten.

Eine andere Atmosphäre herrschte in der Sopranarie „Jesu, deine Gnadenblicke“, die, wenn auch in eher ruhigem Tempo, so doch insgesamt deutlich bewegter von der Überzeugung handelt, dass Gottes Liebe bei den Menschen verbleibt. Bach instrumentierte hier neben den Violinen noch Oboe und zwei Flöten, der Bass fehlt ganz, so dass die klanglich hellen Stimmen überwiegen. Christine Heßeler gestaltete diese Arie mit sehr klarer Klangsprache und einer schlanken und zugleich sehr ausdrucksstarken Sopranstimme.

Das Werk endet mit einem feierlichen Schlusssatz, dessen Anlage mit den instrumentalen Zwischenspielen zwischen den Choreinsätzen an die letzte Nummer des Weihnachtsoratoriums erinnert. Instrumentiert wie der Eingangschor und auch in derselben Tonart stehend, lässt Bach das Werk festlich ausklingen. Hier, wie auch im schlichten Choral in der Mitte des Werkes, überzeugte klanglich einmal mehr der Chor, der die unterschiedlichen Anforderungen differenziert umsetzte.

Das letzte Werk des Konzertes war eine Uraufführung. Matthias Heßeler, der schon einmal für die Liebfrauenschule in Zusammenarbeit mit der Schulpfarrerin Wibke Jansen (Textausarbeitung) ein geistliches Werk komponiert hat („Klagelieder des Jeremias“), stellte zusammen mit Chor und dem nochmals etwas vergrößerten Orchester seine Vertonung des 146. Psalms vor. Dabei kam es ihm vor allem auf die möglichst genaue Textvertonung an. Stilistisch liegt der besondere Reiz dieser Komposition in der Vielfalt der Klangsprache, was eine äußerst expressive Textausdeutung bewirkt. Der Psalm beginnt und endet mit einem großen „Halleluja“, welches der Komponist zu Beginn des Werkes prachtvoll klingend in voller Chor- und Orchesterbesetzung ertönen lässt.

In weiteren Versen erfasst die Komposition aber auch das Ringen der Menschheit vor dem Angesicht Gottes, hier repräsentiert durch weltlich fehlbare Herrscher, eindrucksvoll dargestellt durch beginnende tiefe Register mit Männerstimmen, Fagott und minimal bewegten Streichern.

Es folgt die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des menschlichen Seins und Handelns in Form des „Menschen Geist“, der getragen durch Dauerflageolett in den Streichern und je einer bewegten Chor- und Instrumentalstimme entschwindet, alle anderen dazu schweigend bzw. mit wenig Bewegung und einer sehr leisen Dynamik. Alles mündet schließlich in den Lobpreis Gottes, zunächst leise beginnend, dann sich immer mehr steigernd in Dynamik und Besetzung bis hin zum abschließendem „Halleluja“, das sich über die letzten fast 30 Takte immer mehr in der Intensität aufbaut und einen mächtigen Schlusspunkt bildet. Die Musizier- und Sangesfreude, mit der alle Beteiligten dieses anspruchsvolle Werk zur Aufführung brachten, war durchgängig spürbar und drückte sich auch in der facettenreichen Gestaltung aus.

Der große Applaus am Ende des Konzertes belohnte alle Mitwirkenden für die viele Arbeit und auch Zeit, die in die Erarbeitung der Werke gesteckt worden sind und weitestgehend außerhalb der normalen Schulzeit stattfanden. Bemerkenswert ist sicher auch, dass viele Positionen im Orchester mit (ehemaligen) Schülern, Eltern, Kollegen aus der eigenen Musikschule sowie langjährigen musikalischen Freunden der Liebfrauenschule besetzt werden konnten. Es war ein stattliches Geburtstagsgeschenk an die 100jährige Schule, für das ein besonderer Dank dem Chorleiter und Dirigenten Ludwig Heßeler gebührt.

M. Kern-Schürmann