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Sunday, 02. December 2012

Der Religionsunterricht

Allgemeines

Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach an allen öffentlichen Schulen (vgl. Art. 7 GG, Art. 14 LV) und nimmt am Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule teil. Er ist dem Evangelium sowie dem Leben und der Lehre der Kirche verpflichtet; Bezugswissenschaften sind die Theologie und Philosophie Er wird konfessionell getrennt erteilt, ist aber offen für die Ökumene. Als ordentliches Lehrfach ist er versetzungsrelevant und unterliegt der staatlichen Schulaufsicht. Das Konzept des Faches wird theologisch und pädagogisch verantwortet.

Das Selbstverständnis

Der Religionsunterricht ist davon überzeugt, dass der Glaube einen Beitrag zu einer mündigen Gestaltung des Lebens beiträgt. Er hilft, die Wirklichkeit vom Glauben her zu deuten und dem Leben Sinn zu stiften. Der Religionsunterricht weckt und reflektiert die Frage nach Gott, nach der Deutung der Welt, nach Sinn und Wert des Lebens und nach den Normen für das Handeln des Menschen. Er ermöglicht eine Antwort auf Fragen menschlichen Seins aus der biblischen Offenbarung und aus dem Glauben der Kirche.

Der Religionsunterricht steht vor der Herausforderung, dass eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die am Religionsunterricht teilnehmen, immer weniger Kontakt zu Formen des gelebten Glaubens hat. Zunehmend kann nicht selbstverständlich auf religiöse Vorerfahrungen zurückgegriffen werden. Der Religionsunterricht steht daher vor der Herausforderung, Kindern und Jugendlichen den Bereich von Religion und Glauben auch in seinen Feierformen zu erschließen, d.h. erlebbar, nachvollziehbar und begreifbar zu machen. So kann der Religionsunterricht, ohne Katechese im eigentlichen Sinne zu sein, …

  •  … der gläubigen Schülerin helfen, sich bewusster für den christlichen Glauben zu entscheiden, ihn tiefer zu leben und so zu reflektieren, dass sie eigene Standpunkte ausbildet und kritischen Auseinandersetzungen gewachsen ist.
  • … der suchenden Schülerin die Möglichkeit bieten, Antworten der Kirche und der Theologie auf Fragen des Lebens kennen zu lernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, zugleich aber auch Formen des gelebten Glaubens zu erleben und mit zu vollziehen.
  • … der Schülerin, die sich als ungläubig betrachtet, Räume eröffnen, durch Auseinandersetzung mit christlichen Glaubensinhalten und -traditionen den eigenen Standpunkt klarer zu erkennen oder wohlmöglich zu revidieren.

Jedwede Zweifel und kritische Anfragen gegenüber Glaubenswahrheiten und Traditionen haben ihren berechtigten Ort im Religionsunterricht; sie dürfen nicht beiseite geschoben werden, sondern bedürfen der vertieften Reflexion und persönlichen Auseinandersetzung. Hierzu Räume zu eröffnen, ist auch Aufgabe des Religionsunterrichts. Dies tut er in der Überzeugung, dass das Angebot und die Einladung der christlichen Botschaft nur in der freien Annahme denkbar sind.